Zwangsräumung: Hermannstraße
10. April 2013
Jetzt steht auch in unserer direkten Nachbarschaft eine Zwangsräumung bevor, gegen die sich Protest organisiert. Konkret geht es um eine Mutter mit ihrer Tochter, die in der Hermannstraße 208 wohnen – in einer Wohnung der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Stadt & Land.
Laut der Stadtteilgruppe 44 ist ihre Miete nach einer Erhöhung nicht mehr bezahlbar. Das übliche Spiel: Sie liegt inzwischen über dem ALG2-Satz. Und die Wohnungsbaugesellschaft sieht sich nicht in der Lage, eine Alternative anzubieten, die im Rahmen dessen liegt, was das Jobcenter übernehmen wurde. Das ist nicht verwunderlich. Solche Wohnungen gibt es hier in der Gegend kaum noch – zumindest was Neuvermietungen angeht.
Am 29. April soll nun die Wohnung zwangsgeräumt werden. Dagegen wollen auch in diesem Fall Menschen Widerstand leisten. Voraussichtlich mit einer Blockade an besagtem Tag und auch schon morgen Nachmittag mit einer Kundgebung um 16 Uhr vor dem Stadt & Land-Büro im gleichen Haus. Wenn es seitens der Wohnungsbaugesellschaft und anderen Verantwortlichen kein Einlenken gibt, werden die beiden nach 15 Jahren wohl irgendwo anders hinziehen müssen – recht sicher weg aus Nordneukölln. Aber in unserer Bezirksverordnetenversammlung behaupten die Zuständigen ja immer noch, es gebe keine Anzeichen für eine Verdrängung ärmerer Mieter.
Ostergrau(en)
29. März 2013
Kein Ostergras, keine Osterglocken, nur weiß und grau. Der frühe Ostertermin und der sich hinziehende Winter sorgen dafür, dass es nichts so recht wird mit dem Eiersuchen im beginnenden Frühling. Selbst auf dem an Feiertagen so bevölkerten Tempelhofer Feld zieht nur ein einsamer Ski-Läufer seine Bahnen. Wer kann, nutzt den Tag eher, um sich auf der Couch einzumummeln.
Wie immer ihr die Tage auch verbringen mögt, es seien euch zumindest einige schöne Oster-Feiertage gewünscht. Tankt Kraft und lasst euch von der Trübnis draußen nicht unterkriegen.
Party im Schnee
26. März 2013
Am Sonntag gab es wieder einmal einen dieser Momente, an denen diese mir so gut bekannte familiäre Atmosphäre im Kiez wieder spürbar wurde. Und das in einer ganz anderen Umgebung, als ich sie bisher kannte. Alles begann mit der Verabredung, für unseren Welpen, zwei seiner Schwestern und seiner Mama einen kleinen Familienausflug zu machen.
Es ging bei dem noch immer klirrenden Frost zum ehemaligen Friedhof in der alten Einflugschneise. Immerhin können die kleinen Racker dort auch ungehindert und ungefährdet vom Verkehr herumtollen und was gerade in diesem sich noch immer weigernden Frühling wichtig ist: Es ist windgeschützter als auf dem frostig-zugigen Hundeauslauf auf dem Tempelhofer Feld.
Kaum angekommen standen wir plötzlich und überraschend in einer Party. Viele Hunde spielten miteinander in den verschneiten Wiesen und all die dazugehörenden Menschen versammelten sich in vergnüglicher Runde um reich gedeckte Tischchen. Es galt Abschied zu feiern. Zwei der regelmäßigen Besucher dieses Fleckchens im Kiez verlassen die Stadt inklusive Hund in Richtung Thüringen. So hatten viele etwas mitgebracht: Kaffee, Tee, Sekt und Kuchen gab es für die Großen, Trockenfleisch aus einer großen Schüssel für die kleinen Partygäste.

Ein kleiner Teil der Party-Runde
In einer solchen Gesellschaft ließ sich die Kälte viel besser aushalten und den Fortziehenden sei gewünscht, dass sie in ihrer neuen Heimat eine ebenso tolle Nachbarschaft finden wie hier.
Der Tod der Taube
18. März 2013
Zumindest in den Lüften bleibt Neukölln ein raues Pflaster. Die Gentrifizierung zieht an der Natur bisher scheinbar vorbei. Das wurde einer Taube zum Verhängnis, die mitten im Kiez in die Fänge des Falken geriet. Allerdings ist dessen Position als Chef über den Dächern nicht unangefochten. Eine ganze Schar Krähen sorgte dafür, dass er sich mit seiner Beute erst einmal in die Umgebung von Menschen verkrümeln musste, um kurz verschnaufen zu können. Anschließend folgte ein Versuch, der grauen Konkurrenz mit einem beherzten Flug durch die Straßenschluchten zu entkommen. Wie es ausging, hat sich unseren Augen leider verschlossen.

Aber um eines klarzustellen: Die Neuerungsprozesse gehen natürlich auch an den hier lebenden Tieren nicht vorbei. Jedes sanierte Haus bedeutet nicht nur höhere Mieten und Verdrängung, sondern auch weniger Nistplätze für Vögel und weniger Unterschlupf für Fledermäuse. Die Spatzenmafia macht es sich beispielsweise gern in Kommunen an Hauswänden bequem, an denen fehlende Ziegelsteine Nischen bieten. Ein aufgehübschtes Haus mit glatten Wänden bietet für sie keinen Platz mehr. Es wird also auch Zeit, sich Gedanken darum zu machen, wie dieser Kiez nicht nur hinsichtlich der Bevölkerungsstruktur irgendwann steril wird.
Schluss mit Dunkelheit
2. März 2013
Da reden die die Wetterleute davon, dass wir den dunkelsten Winter seit Beginn der Messungen hatten. Schon lange waren Januar und Februar nicht mehr so wolkenverhangen. Kaum noch jemand konnte sich erinnern, wie das ist, wenn der ganze Himmel blau ist und die Sonne frei scheinen kann.
Aber jetzt ist Schluss. Der Winter ist vorbei! Pünktlich zum meteorologischen Frühlingsanfang blauer Himmel und Sonne satt. Die ersten Leute saßen im Kiez vor den Cafes. Und während sich in den letzten Wochen auf dem Tempelhofer Feld lediglich ein paar fleißige Sportler fit hielten oder Hundebesitzer dem schneidenden Wind trotzten, um ihren Lieblingen etwas Bewegung zu verschaffen, herrschte auf einmal reges Treiben. Letztlich gab es endlich wieder einen der grandiosen Sonnenuntergänge, die alle Kenner des Feldes so lieben.

Abstand halten
26. Februar 2013
Man könnte meinen, dass die Neuköllner Spatzenmafia in dieser Jahreszeit, in der es noch nicht Futter in Hülle und Fülle gibt, etwas eher die Scheu verliert. Aber das ist mitnichten der Fall.

Während man im Sommer schnell Gefahr läuft, einen von den Kollegen auf dem Teller sitzen zu haben, passen sie aktuell gut auf, dass man die Distanz fünf Meter nicht unterschreitet. Insofern scheint es ihnen gut zu passen, dass auch die Menschen derzeit eher weniger Lust haben, draußen zu verweilen und zügig ihrer Wege gehen. Wieder unter sich, scheinen sie am Herrfurthplatz aber schon intensiv die Frühlingsparty vorzubereiten.
T-Feld: CDU-NK will Fakten schaffen
26. Februar 2013
Die Neuköllner CDU will am Mittwoch in der Bezirksverordnetenversammlung schonmal symbolisch Fakten schaffen und hat einen Antrag eingereicht, laut dem sich die Bezirksvertretung für eine Bebauung des Tempelhofer Feldes aussprechen soll. Da die SPD aufgrund der Vereinbarung über die Stimmgemeinschaft ohnehin mit der CDU stimmt, dürfte der Beschluss, der unter der Drucksachen-Nummer 0528/XIX vorliegt, wohl durchgehen. Der Antragstext lautet konkret:
Die Bezirksverordnetenversammlung spricht sich auf Grund der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung für eine Wohnbebauung an den Rändern der Fläche des Tempelhofer Feldes aus. Dabei befürworten wir, dass stadtplanerisch ein moderater Übergang vorhandener Wohnbebauung zur Freifläche des Tempelhofer Feldes geschaffen wird. Hierzu sollen notwendige Infrastrukturmaßnahmen (z. B. Schule, Kita) berücksichtigt werden.
Der Antrag ist auch ein schönes Beispiel für Neusprech im Politikbetrieb. Denn “ein moderater Übergang vorhandener Wohnbebauung zur Freifläche” hört sich ja erstmal gut an. Morderat soll es werden, nicht zu heftig. Schön fließend, angenehm. Konkret heißt das aber, dass dort kein bezahlbarer Wohnraum entstehen soll, sondern kleine, schicke Häuschen für jene, die sich solch eine exklusive Lage leisten können.
Der Antragsteller ist übrigens Christopher Förster, der auch stellvertretender Vorsitzender der Jungen Union Berlin ist. Der aufstrebende Jungpolitiker kommt wohl aus dem Süden Neuköllns und ist von den Vorgängen rund um das Feld eher kein Stück persönlich betroffen. Förster kann man via Abgeordnetenwatch auch fragen, was das soll. Ich habe aber keine Ahnung, ob man da eine Antwort erwarten kann. Vielleicht ist da der direkte Kontakt besser geeignet.
Frischfleisch!
22. Februar 2013
Einfach mal richtig gut essen. Damit verbinden wir gemeinhin eher, dass frisch eingekaufte Lebensmittel im Topf landen als Dosen-Ravioli. Tieren, die wir lieben, sollte es da doch nicht anders gehen.
Gerade einmal zwei Wochen hat es seit dem Einzug unseres Welpen gedauert, bis wir eine Neuköllner Institution kennenlernten, die es uns ermöglicht, auch unseren Hund mit Futter zu versorgen, das seiner Natur entspricht. Wir sind begeistert und da es nun nicht gerade wenige Hunde-Besitzer im Kiez gibt, soll ihnen an dieser Stelle eine innige Empfehlung ausgesprochen werden.
Seit weit über zwanzig Jahren kümmert sich Hartmut Doddeck um eine ordentliche Versorgung der Großstadthunde. In der Tierfutterkrippe in der Jonasstraße gibt es alles, was das Tier braucht – nur kein Industriefutter. Statt dessen Frischfleisch satt! In verschiedensten Variationen, so dass es nie langweilig wird im Napf: Vom Huhn und Rind bis hin zum Hirsch aus Brandenburger Wäldern kann alles aufgetischt werden.
Für Hundefreunde und ihre Gefährten ist allein schon der Einkauf ein Erlebnis. Obwohl die Leute, die dort arbeiten, in all den Jahren sicher schon tausende Hunde begrüßt haben, bekommt jeder vierbeinige Kunde erstmal eine Kostprobe über den Tresen geworfen. Auch diverse Leckerlis werden nicht einfach so verkauft, sondern ausprobiert, was wohl am besten ankommt – “Sprotte gefällig?”.
Für unseren Welpen wird der passende Mix, mit allem, was so ein junger Hund braucht, frisch zusammengestellt. Für die Besitzer gibt es nebenbei auch ausführlichste Beratung. Und falls ihr jetzt denkt, solch eine exklusive Ernährung könnt ihr euch nicht leisten: Vergesst das einfach. Es mag sein, dass der billigste Dosenfraß ein paar Cent günstiger ist – aber jedes halbwegs brauchbar erscheinende Industriefutter ist teurer. Rund 3 Euro kostet es euch, wenn ihr ein Kilo frisches Fleisch mit nach Hause nehmt. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt: Ihr habt bedeutend weniger Müll. Im 1-Euro-Laden eures Vertrauens einfach die passenden Plastikdosen kaufen und immer wieder füllen lassen, dann müsst ihr nicht so oft Tüten auf den Hinterhof tragen.
Also lasst diese blöden Dosen im Regal stehen und tut euren Lieblingen etwas Gutes. Hier führte es zu spontanen Freudensprüngen und am für alle wohlverdienten Feierabend zu intensivem Knabberspaß.

Neoliberale und unser Feld
19. Februar 2013
Ich bin es leid. Immer wieder diese Leier, wie wichtig der Wohnungsbau auf dem Tempelhofer Feld sei, um die steigenden Mieten in dieser Stadt in den Griff zu bekommen. Die ganze Debatte erinnert mich an die angebliche Alternativlosigkeit der neoliberalen Politik. Da geht es ja immer darum, eine steigende Staatsverschuldung mit immer einschneidenderen Sparprogrammen in den Griff zu bekommen – und es klappt einfach nicht. Am besten sieht man das in Griechenland. Das angebliche Patentrezept versagt und nebenher wird alles viel schlimmer als auch nur ein Stück besser. Ökonomen, die nicht der neoliberalen Schule entspringen, wissen das, finden aber kein Gehör. Sie reden schon lange davon, dass eine Wirtschaft, die hauptsächlich vom Inlandskonsum abhängig ist, nicht auf die Beine kommt, wenn man den Menschen immer mehr von dem Geld wegnimmt, das für den Konsum eingesetzt werden könnte.
Im Grunde das gleiche Mantra schlägt uns in Sachen Tempelhofer Feld entgegen. Bebauung und dann klappt das schon mit den Mieten. Man darf nicht gleichzeitig für den Erhalt des Feldes und gegen die Verdrängung der ärmeren Leute aus den Kiezen sein, weil sich das angeblich widerspricht. Immer schön den einfachsten Weg gehen, mit einfacher Logik und in den gewohnt einfachen Bahnen. Völlig egal, was es für Langzeitfolgen hat – Hauptsache man macht “irgendwas”.
Es wird auf dem Tempelhofer Feld keinen preiswerten Wohnraum geben. Dafür muss man nur die entsprechenden Planungen ansehen: An der Oderstraße ist beispielsweise ausschließlich leichte Bebauung vorgesehen. Das heißt konkret: Townhouses bzw. Vergleichbares. Man versucht uns also weiszumachen, dass Leute dann nicht in die Wohnung im Kiez ziehen, deren Miete von sagen wir 500 auf 700 Euro erhöht werden soll, sondern in das dann vielleicht 1.000 Euro teure Häuschen. Und dann bleibt die Miete für die Wohnung deshalb bei 500 Euro. Das ist natürlich sehr vereinfacht, aber das Prinzip ist klar. Auch wenn es hier letztlich wohl ohnehin eher um Eigentum gehen würde.
Hinzu kommt, dass der ganze Prozess mal wieder ohne Bürgerbeteiligung durchgezogen wird – und nein, diese Pseudo-Infoveranstaltungen, wo der Pöbel auch mal reden durfte, sind keine Bürgerbeteiligung. Ich bin durchaus auch nicht mit allem glücklich, was die Tempelhofer Feld-Puristen auf dem Plan haben. Aber vermutlich ist das der einzig gangbare Weg. Alternativlos von der anderen Seite. Wenn es nicht anders geht, dann eben ebenso radikale Volksgesetzgebung und Widerstand, bis sie es irgendwann lernen. Insofern bin ich hocherfreut, dass die erste Stufe zum Volksbegehren “100% Tempelhofer Feld” jetzt auch offiziell problemlos gemeistert wurde. Von den eingereichten Unterschriften sind 28.147 anerkannt – viel mehr, als nötig. Kurz feiern, und dann auf in die zweite Phase!
Der Nachwuchs ist da
12. Februar 2013
Es gab Nachwuchs im Kiez. Noch mehr Hunde! Schon im Dezember hat die kleine Elli eine Woche vor dem prognostizierten Termin die ersten beiden Welpen im Froschkönig geboren. Fünf weitere folgten dann noch zuhause.
Einer von den kleinen Rackern ist jetzt bei mir eingezogen und hat sich schon recht gut eingelebt. Er ist der Einzige aus dem Wurf, der mehr vom Papa mitbekommen hat, der natürlich auch hier wohnt. Ich darf also vorstellen: Das ist Fuchur – ein echter Schillerpromenadenmix.
Der Gute ist noch sehr klein, wird aber von Tag zu Tag mutiger, wenn es darum geht, den Kiez zu erkunden und viel zu lernen. Ihr werdet uns jetzt oft rund um die Kirche und auch zunehmend in vielen anderen Ecken treffen.

