Neuköllns braune Flecken
19. August 2010
Die ‘Zeit’ hat sich in ihrem Störungsmelder-Blog mal mit dem Nazi-Problem in Neukölln befasst und recht treffend erkannt:
Erst waren es die Meldungen rund um die Rütli-Schule, dann die angeblich grasierende Jugendkriminalität und die hohe Arbeitslosigkeit. Dieser Tage müsste eigentlich viel über Nazis in Neukölln geschrieben werden. Schlagzeilen? Fehlanzeige!
Gut, dass das mal überregional thematisiert wird. Von offizieller Seite kam da bisher ja noch nichts. Im Gegenteil – so einiges, was Buschkowsky von sich gibt, dürfte eher noch Wasser auf die Mühlen sein – auch wenn es sicherlich nicht beabsichtigt ist. Allerdings sollte man schon überlegen, ob man gerade in einer Zeit, in der sich Neonazis immer breiter machen, bestimmte Dinge breit thematisiert. Zumal es offenbar immer noch kein Konzept gibt, wie man verhindern kann, dass sich die NPD regelmäßig für Veranstaltungen in Räumlichkeiten des Bezirks einmietet.
So zieht auch die Zeit das Fazit:
Nicht zuletzt die unsägliche Debatte um den “Extremismusbegriff” hat zu einer gefährlichen diskursiven Gleichmacherei von Rechtsextremismus und so genanntem Linksextremismus geführt – Wasser auf die Mühlen der Rechten und Kriminalisierung antifaschistischen Engagements. Verkehrte Welt. Zeit für ein starkes Zeichen gegen Rechts.
Prima Klima
14. Juli 2010
Der ‘Tagesspiegel‘ hat mal eine nette Geschichte zu den “Klimaanlagen” der Stadt und den Kaltluftschneisen, die nachts kühlere Luft in die aufgeheizten Wohngebiete bringen.
Nachts steigt über dem Häusermeer die heiße und dadurch leichte Luft auf wie über einem Ofen. Dadurch entsteht ein Sog, der die schwerere Luft aus kühleren Gefilden in die Innenstadt zieht. Große Grünflächen wie Tiergarten oder Tempelhofer Park seien effektive Kaltluftproduzenten, sagt der Meteorologe Wolfgang Bivour vom DWD in Potsdam.
Wie stark der Abkühlungseffekt sein kann, lässt sich gut nachvollziehen, wenn man einmal den Abend eines warmen Tages auf dem Tempelhofer Feld verbrachte. Nach Sonnenuntergang wird es da durchaus mal recht schnell frisch. Verlässt man das Gelände und geht in den Kiez, spürt man auf wenigen Metern Wegstrecke einen recht ordentlichen Temperaturanstieg. Gut, wenn die kühle Luft dann in der Nacht da ist und langsam in die Wohngebiete sickert. Das Tempelhofer Feld zubauen ist daher fatal, denn:
Klimaforscher rechnen für Berlin im Jahresmittel mit etwa 2,5 Grad Temperaturerhöhung.
Das bedeutet vor allem noch heißere Sommer. Kommt dann nicht regelmäßig kühlere Luft nach, wird das unerträglich.
Lehrstück
5. Juli 2010
Auch Bahries Gebetskette gleitet unentwegt durch ihre Finger, nur bei jedem Tor lässt sie sie kurz liegen, springt auf, um vor der Tür die Vuvuzela zu blasen.
So berichtet die ‘taz‘ darüber, wie die Neuköllner Migranten die Fußball-WM feiern. Eigentlich sollte der Mittwochabend nun genutzt werden, um einen Bildungsausflug mit Teilnahmepflicht für diverse Politiker zu organisieren – so als Beitrag gegen das Gefasel von Integrationsproblemen. Die letzten Tage sind immerhin der offensichtliche Beleg für die These: Wir haben hier kein Integrationsproblem, sondern ein soziales Problem.
Capture the Flag?
1. Juli 2010
“Für die Faschisten sind wir Ausländer und für die Autonomen…” – Bassal hält inne und denkt nach – “keene Ahnung watt”.
‘Der Spiegel‘ über eine Geschichte, wie sie wohl genau so in Neukölln passieren muss: Da halten jetzt Migranten mit libanesischen Wurzeln in der Sonnenallee Wache, damit ihnen die Autonomen nicht die WM-Deutschland-Fahne über ihrem Elektroladen abreißen. Ganz großes Kino!
Vermisst
1. Juli 2010
Wie gesagt, weiter zu den wichtigen Dingen. Frau Heisig ist weg. Also jene Jugendrichterin, die das “Neuköllner Modell” entwickelte. Dabei geht es darum, jugendliche Straftäter im Eilverfahren abzuurteilen. Seit gestern Abend gibt es eine groß angelegte Suchaktion durch die Polizei. Näheres gibts beim ‘Stern‘.
Update: Inzwischen ist klar, dass sich die Richterin das Leben genommen hat – wohl eine Folge ihrer Erkrankung an Depressionen.
Der Tag
23. Juni 2010
Ein großer Tag für Neukölln. Deutschland gewinnt und der Türke schießt das Tor. Alle glücklich.
KMS wird zur Großbaustelle
15. Juni 2010
Eines der wohl größten Bauprojekte Neuköllns hat begonnen: Der Umbau der Karl-Marx-Straße. Gestern erfolgte der erste Spatenstich im südlichen Teil. Erst in zehn Jahren wird das gesamte Projekt mit der Umgestaltung des Hermannplatzes abgeschlossen.
Die Straße wird gemäß der Planungen komplett zweispurig. Der so gewonnene Platz wird unter anderem genutzt, um einen separaten Fahrradstreifen anzulegen. Außerdem werden die Fußwege begrünt und mit Sitzbänken ausgestattet. Parallel wird der U-Bahn-Schacht saniert.
Also heißt es jetzt für einige Jahre, tapfer zu sein. Notwendig ist das Bauprojekt aber allemal. Die aktuellen Zustände sind – vor allem, was den Verkehr angeht – kaum tragbar. Zumindest, wenn man als Fahrradfahrer unterwegs ist.
Campus Kindl
19. Mai 2010
Jetzt hat sich offenbar endlich ein Konzept für das Gelände der Kindle-Brauerei gefunden, dass in das gewünschte Entwicklungskonzept für die Gegend passt: Laut der ‘Berliner Zeitung‘ soll binnen zwei Jahren eine Privatuniversität entstehen – die “Berlin Business School”. Dann kommen nach den verplanten Jungkünstlern mit reichen Papas also auch noch die schmierigen Jungmanager mit nicht weniger reichen Mamas her. Kann ja heiter werden.
Kritik und Jammerei
3. April 2010
Der Sozialwissenschaftler Andrej Holm spricht gegenüber der ‘Körnerpost‘, der Zeitung des Quartiersmanagements Körnerpark, über die “Gefahren der Aufwertung”. Während dort also auch kritische Stimmen zu Wort kommen, jammert das Quartiersmanagement des Schillerkiezes in der ‘Bild’: “Wir wollen Neukölln schöner machen…aber die Linken greifen uns ständig an.”
Verlässlich
18. März 2010
Auf eines kann man sich in Deutschland verlassen: Wenn das Ordnungsamt es aus Personalmangel nicht schafft, gesetzliche Regelungen durchzusetzen, findet sich eben ein sich zuständig fühlender Blockwart.
Das Rauchverbot in Gaststätten wird nach Einschätzung des Vereins Forum Rauchfrei in Berlin nach wie vor zu oft ignoriert. (…) Die Vereinsmitglieder testeten am 23. Februar und 12. März Internetcafés in der Karl-Marx-Straße und in der Hermannstraße. In acht Cafés voller Rauch waren auch Jugendliche zu Gast, berichtete Spatz. Der Verein hat alle 17 Cafés, die das Rauchverbot missachteten, beim Ordnungsamt Neukölln angezeigt.
Das berichtet die ‘Berliner Morgenpost‘. Bleibt nur, Hoffmann von Fallersleben zu zitieren: “Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.”