Rote Inseln
30. September 2009
Hauswände sind wild plakatiert mit Zetteln, die für einen antikapitalistischen Kongress werben. Auch Aufkleber, die zu Aktionen für Mumia Abu-Jamal aufrufen, kleben dort und in der Kleingartenanlage “Hand in Hand” weht eine rote Flagge mit dem Spruch von Che Guevara: “Hasta la victoria siempre”, bis zum immerwährenden Sieg.
Die ‘Berliner Zeitung’ über “Nordneukölln – die rote Insel im CDU-Bezirk“.
Orange und rund
29. September 2009
Sonntag ist Kürbisfest. Beim Uckerländer in der Richardstraße 7-8. Ab 11 Uhr. Kommt alle!
Die Siegener Okerstraße
24. September 2009
Die Stadt Siegen hat einer ihrer Einwohnerinnen ein lebenlanges Grünflächenbetretungsverbot erteilt (Videobeitrag beim WDR). Ihr Vergehen: Sie saß mit zwei Freunden auf einer Parkbank und ihre beiden Begleiter tranken zum Feierabend ein Bier. Das klingt ganz nach einem Einsatz der Task Force Okerstraße.
Zwitschern
22. September 2009
Ich habe mich zwar lange rausgehalten, aber nun mach ich auch mal bei Twitter mit. Noch keine Ahnung, was das wird, aber es scheint tatsächlich Spaß zu machen: http://twitter.com/schillerkiez
Die Putzkolonne rückt an
15. September 2009
Unser Kiez wird zukünftig von der “Task Force Okerstraße” sauber gehalten. In ihr arbeiten Mitarbeiter verschiedener Bereiche der Bezirksverwaltung und die Polizei zusammen. “Ziel ist es, ein sauberes und sicheres Wohnumfeld zu schaffen, notfalls soll dafür sogar eine eigene Gebietsverordnung erlassen werden. Dann könnte zum Beispiel ein Alkoholverbot auf Straßen und in öffentlichen Parks ausgesprochen werden”, berichtet die ‘Berliner Zeitung‘.
Im Grunde handelt es sich hierbei um eine der Ideen, die Bürgermeister Heinz Buschkowsky damals von seiner Reise nach Rotterdam mitbrachte. Notwendig ist das Ganze, weil die hiesigen Probleme wie unbeaufsichtigte Kinder, teilweise vernachlässigte Kinder und Jugendliche (“vorwiegend aus Roma-Familien”) sowie die Trinkergruppen nicht mehr “allein mit präventiven Maßnahmen und Angeboten zu lösen” sind. Die Polizei spricht weitergehend von Betteln, Beschaffungskriminalität, Prostitution, Schwarzarbeit und – illegaler Untervermietung (!!!, die Red.). Allerdings beschleicht mich durchaus das Gefühl, dass es darum geht, den Kiez, den ich mir nicht ganz umsonst als Lebensraum ausgesucht habe, für eine andere Einwohner-Klientel aufzuhübschen.
Die Reaktion der Task Force auf ungebührliches Verhalten soll letztlich von “Gesprächen in den Familien bis zur Ausweisung aus dem Stadtviertel als letztes Mittel” reichen. Dafür will man auch hier nun Behörden-übergreifend Daten von “Problemfamilien” sammeln. Kommentar des Berliner Datenschutzbeauftragten: “Es gibt noch Gesprächsbedarf mit Neukölln.”
So’n Zirkus
13. September 2009
Gestern hat Circus Lemke, das Ex-Xenzi, in der Selchower Strasse also auch offiziell eröffnet. Sah nach einer noch langen Party aus. Das empfehlenswerte Frühstück hatte ich ja schon getestet. Bleibt also nur, viel Erfolg zu wünschen.
Abschied
2. September 2009
Wie damals erhofft, hat Kater Igor immerhin noch einen weiteren Geburtstag erlebt. Nach über 17 Jahren ging es nun aber in der letzten Nacht zu Ende. Die Nachfolgen der Krankheit forderten ihren Tribut.
Mir bleibt nur ein Rückblick und Dank für die letzten zehn Jahre, die gemeinsam gelebt wurden. Unverhofft kam er damals bei mir als noch relativem Neuberliner in Alt-Mariendorf unter und begleitete mich später nach Neukölln. Das Wohnen in einer WG war für uns beide ein Abenteuer, nicht weniger aber auch die beiden darauf folgenden Stationen. Immerhin war es ihm vergönnt, in seinem letzten liebgewonnenen Zuhause einzuschlafen.

Blick nach Sachsen
1. September 2009
Da brauchte es nun schon etwas Zeit zum Verdauen: Sonntag Abend. Wahlberichterstattung in der ARD. Sachsen ist dran. In der Politiker-Riege steht mit voller Normalität auch Herr Apfel von der NPD, der erneut (wenn auch mit klaren Verlusten) in den Landtag einziehen konnte. Kann es noch schlimmer werden?
Aber natürlich, immerhin sind wir hier beim deutschen Journalismus. Laut ARD-Moderator (Name leider vergessen) ist die NPD also eine Protestpartei. Also doch keine faschistische Organisation, die laut Grundgesetz eigentlich verboten sein müsste? Herr Apfel hielt dem entgegen, dass man jetzt keine Protest- sondern eine Weltanschuungspartei sei, die in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Reaktion der anwesenden Politiker inklusive Linke: Keine!
Das war schon recht harter Tobak und zeigt, worauf man sich einstellen kann, wenn man den Kampf gegen die braune Brut nicht selbst in die Hand nimmt.