Kundenschelte

29. Oktober 2010

Die Leute von der Kneipe “Freies Neukölln” in der Pannierstraße/Weserstraße beschimpfen mal ein bisschen ihre Kunden und entschuldigen sich, dass sie Mitschuld am Gentrifizierungs-Prozess haben. Großes Kino! Danke!

Offending the Clientele from Retsina Film on Vimeo.

Prenzlkölln

21. Oktober 2010

Sogar von “Prenzlkölln” ist schon die Rede.

Berichtet zumindest die ‘taz‘ in einem Beitrag über die Entwicklung der Mieten im Schillerkiez. Ich hoffe ja mal, dass sich dieser Begriff nicht einbürgert. Zum einen ist das schon ziemlich übertrieben, andererseits hört es sich ja noch dämlicher an, als “Kreuzkölln”. Ansonsten aber durchaus mal ein interessanter Überblick:

Die 70 Quadratmeter große Zweizimmerwohnung liegt im vierten Stock, hat einen Balkon, dafür aber nur ein winziges Bad ohne Badewanne. In vier Wochen soll sie bezugsfertig sein und kostet dann 615 Euro warm. Die Kaltmiete ohne Betriebskosten liegt bei 6,50 Euro pro Quadratmeter. Die Vormieter hatten noch 4,30 Euro gezahlt.

Abschied

20. Oktober 2010

Die vergangene Woche hat meinen Blick auf den Schillerkiez verändert. Sicher, ich wohne schon immer gern hier und fühle mich wohl, wozu die hier lebenden Menschen nicht ganz unwesentlich beitragen. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass Viele zunehmend in ihrer eigenen Welt leben und ungern ihr Umfeld an sich heran lassen, ja sogar eine gewisse Ignoranz gegenüber ihren Mitmenschen ausstrahlen. Ich habe aber wieder Hoffnung gefunden, dass diese Entwicklung nichts Unaufhaltsames ist.

Am 10. Oktober ist Alex, einer der Teilhaber des Circus Lemke, tragisch verunglückt. Nun habe ich in den letzten Jahren schon eine ganze Reihe von Todesfällen erlebt, sei es im familiären oder im Freundesumfeld. Das ist immer bestürzend, tragisch, traurig. Noch nie hat mich die Verarbeitung eines solchen Ereignisses aber so beeindruckt, wie in diesem Fall. Eine solch tiefe Trauer auch bei Menschen, die ihn zum Teil noch gar nicht über Jahre kannten, war für mein Empfinden bisher einzigartig. Gut, dies ist erklärbar. War Alex mit seiner Offenheit, seinem Talent, Wohlfühl-Sphären zu schaffen, aber auch seiner Entschlossenheit doch ein sehr besonderer Mensch.

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Aber es gab noch die andere Seite. Den nicht unerheblichen Teil von Kiez-Bewohnern, die Alex kaum oder gar nicht kannten. Der Respekt, der über all die Tage den Kerzen und Blumen vor dem Circus entgegengebracht wurde, war meines Erachtens keine Selbstverständlichkeit. Ebenso nicht die tiefe und ehrliche Anteilnahme, mit der uns Außenstehende begegneten. Wenn wir gemeinsam vor dem Laden saßen. Wenn dem stets freundlich nach dem Befinden fragenden Späti-Verkäufer diesmal keine positive Antwort gegeben konnte. Bei den meisten Leuten hier scheint es doch so etwas wie ein unterschwelliges Zusammengehörigkeitsgefühl zu geben.

Brechmittel Union

18. Oktober 2010

Es dürfte ja inzwischen jeder mitbekommen haben, dass da führende Köpfe von der Union gerade wieder rassistische Parolen durch die Gegend krakelen. Falls nicht:

Die Integrationsfähigkeit von Zuwanderern hänge auch von ihrer Herkunft ab, sagte Seehofer. „Es ist doch klar, dass sich Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen wie aus der Türkei und arabischen Ländern insgesamt schwerer tun. Daraus ziehe ich auf jeden Fall den Schluss, dass wir keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen brauchen.“ (Focus)

Oder auch:

“Dieser Ansatz (Multikulti, d.R.) ist gescheitert, absolut gescheitert.” – Angela Merkel (Welt)

Jetzt könnte man sagen: “Ja gut, da kann man kaum was anderes erwarten.” Das stimmt schon. Aber man sollte nun nicht glauben, denen rutscht da halt einfach hin und wieder mal was von dem raus, was da wirklich in den Köpfen rumspukt und das hat keine praktischen Konsequenzen.

Im Bundestags-Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat die Union und die FDP nämlich gleich mal die Finanzmittel für das Förderprogramm “Soziale Stadt” gestrichen. Dabei handelt es sich um die Gelder, mit denen unter anderem Projekte wie die Neuköllner Stadtteilmütter hier in den Kiezen finanziert werden.

Sicher sind davon nicht nur direkte Integrationsprojekte betroffen. Es ist ja aber klar, dass es eigentlich kein Integrationsproblem, sondern ein soziales Problem gibt, dass Menschen mit Migrationshintergrund zuerst ins Abseits schiebt.

Diese Heuchler von der Union stellen sich also hin und wollen uns erzählen, dass das mit der Integration nicht klappt und sorgen gleich dafür, dass sie auch Recht behalten. Was kommt denn als Nächstes? Fahren die dann bald auch Dönerbuden, die nicht auf Bratwurst und Schnitzel umsteigen, mit Wasserwerfern und Pfefferspray ab?

Das alles mal, ohne jetzt auch noch eine große Debatte um deren Integrationsbegriff mit ihrer dämlichen “christlich geprägten Wertetradition” anfangen zu wollen. Das sollte ja eh klar sein, dass unsere Wertetradition glücklicherweise aus dem Humanismus entwickelt wurde. Das Oben reicht schon ganz gut als Brechmittel.

PS: Gegen die Streichungen gibt es nächste Woche auch eine Kundgebung.

Kurze Durchsage

9. Oktober 2010

Also diese neuen Wachschutz-Nasen der Neukölln Arcaden sind ja mal auch die Höhe. Urgermanische Blockwart-Mentalität vom Feinsten. Übel. Da wird penibel kontrolliert, ob die Verkäuferin in ihrer Raucherpause nicht zu dicht an der Eingangstür steht und Flyer-Verteiler nicht ein paar Zentimeter in dem Bereich des Gehwegs stehen, die vermeintlich zum Haus gehören. Das wirkt so nach der Sorte Leute, die gegen Nachbarn wettern, die Sonntags Wäsche aufhängen. In so einem Haus geht man doch richtig gerne einkaufen.

Eine Hymne für den Kiez

6. Oktober 2010

Es dauert wohl nicht mehr lang, dann können wir folgendes einfach so übernehmen:

Literatur im Netz

5. Oktober 2010

An dieser Stelle mal etwas in fast eigener Sache, bei der zwei Dinge zusammenkommen, von denen ich fest überzeugt bin: 1. Es gibt im Netz für nahezu alles einen Platz, eine Plattform und eine interessierte Zielgruppe. 2. Das Netz ist der ideale Ort, um Inhalte zugänglich zu machen, die Gefahr laufen, aus unterschiedlichsten Gründen nur in begrenztem Rahmen oder vielleicht bald gar nicht mehr zugänglich zu sein.

Wir experimentieren deshalb mal damit, Literatur ins Netz zu bringen. Konkret geht es um Kurzgeschichten, für die sich das Blog-Format ganz gut umfunktionieren lässt. Unter annazielona.wordpress.com wird in den kommenden Wochen Anna Zielonas Kurzgeschichten-Band “Nasty”, der vor einiger Zeit in einer Kleinauflage erschien, nach und nach online veröffentlicht. Es lohnt sich also, regelmäßig reinzuschauen. Ich für meinen Teil bin zumindest überzeugt, dass es sich um sehr gute Texte und Geschichten handelt und werde mich daher bemühen, dass Projekt so gut es geht, technisch zu begleiten. Viel Spaß beim Lesen.

Ansage

4. Oktober 2010

Es ist durchaus heldenhaft, nach dieser Nacht pünktlich zur Bundesliga aufzumachen. Der Langen Nacht damit noch mal alles gute zum 5- Geburtstag.

Lange Nacht ;)