Buschkowsky und die NSU

24. Februar 2012

Ich bin erschüttert und erbost. Heinz Buschkowsky hat ja schon so manchen Mist gemacht und von sich gegeben. Und ich meine damit aktuell nicht, dass er für unsinnige Prozesse soviel Geld aus dem Fenster wirft, wie eine der mit dem kommenden Haushalt wohl gestrichen werdenden Behinderteneinrichtungen in Neukölln im Jahr kostet.

Der absolute Oberknaller war sein gestriger Auftritt in der ARD in der Sondersendung zu den Morden der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (ab 1:27:00). Da stellt sich dieser Typ hin und erzählt erstmal ernsthaft: “Waren es früher die Gastarbeiterkinder, die vereinzelt in den Klassen waren, so wurden sie schon von auch den deutschen Mitschülern nicht besonders nett behandelt, ist es heute andersrum. Wenn in einer Klasse nur noch ein, zwei deutsche Schüler sind, dann passiert dasselbe.” Und so geht es dann weiter. Immer weitere Klagen darüber, dass das mit der Integration nicht funktioniert und die Kinder ja schon von zu Hause nicht die nötige Erziehung mitbekommen.

So etwas in diesem Kontext zu bringen, zeugt schon von einer großen Portion Merkbefreitheit. Im Klartext bedeutet das nämlich, dass die von mrodierenden Neonazis ermordeten Menschen ja selbst Schuld sind, weil sie nicht ausreichend Willens sind, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Mag sein, dass es nicht so gemeint war. (Denn man soll ja nicht zwingend Bosheit unterstellen, wo eine Angelegenheit auch mit Dummheit erklärt werden kann.) Trotzdem ist das ein Skandal und sollte in den kommenden Tagen noch einmal klar thematisiert und nicht einfach unter den Tisch gekehrt werden. Buschkowsky soll sich dazu gefälligst erklären!

Und spätestens jetzt sollten hier auch einige nochmal schwer darüber nachdenken, ob man diesen Typen auch noch stolz auf ein T-Shirt gedruckt durch die Gegend tragen will. Aufgabe der ARD wird es sein – das muss man fairerweise auch anmerken, um nicht nur in eine Richtung auszuteilen – die Auswahl der Gäste für eine solche Sendung aufzuarbeiten. Denn wie Publikative.org anmerkte: “Wurde bei Trauerfeiern für RAF-Opfer eigentlich mit einem marxistischen Ökonomen über die Nachteile des Kapitalismus debattiert?”

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